Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Maria_Regina_Martyrum_-_Kreuzweg.jpg, Veröffentlichung unter Creative Commons-Lizenz von Alexrk2
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Maria Regina Martyrum (lat. für ‚Maria, Königin der Märtyrer‘) ist eine römisch-katholische Kirche im Berliner Ortsteil Charlottenburg-Nord am Heckerdamm 230. Sie wurde 1960 bis 1963 als „Gedächtniskirche der deutschen Katholiken zu Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit in den Jahren 1933–1945“ gebaut und liegt unweit der Gedenkstätte Plötzensee und des evangelischen Gemeindezentrums Plötzensee, ebenfalls einer Gedenkkirche. Die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum ist mit Glockenturm und Feierhof ein eingetragenes Baudenkmal (Nr. 09096195).

 

Den Anstoß zum Bau der Kirche gab der Berliner Bischof Wilhelm Weskamm beim 75. Deutschen Katholikentag 1952 in Berlin, indem er zum Bau einer Gedenkkirche für die Märtyrer aus der Zeit des Nationalsozialismus aufrief.[2] Auf dem 78. Deutschen Katholikentag 1958, wiederum in Berlin, gelobte man, „Maria Regina Martyrum“ zu bauen. Nach einer Kollekte in allen deutschen Bistümern legte Erzbischof Julius Kardinal Döpfner am 12. November 1960 den Grundsteinzu der Kirche, die er – inzwischen Erzbischof von München und Freising – am 5. Mai 1963 zusammen mit dem damaligen Berliner Bischof Alfred Bengsch und dem französischen Erzbischof Louis de Bazelaire (Erzbistum Chambéry) konsekrierte. Als Patrozinium wurde Maria Regina Martyrum (Maria, Königin der Märtyrer) gewählt. 1954 hatte Papst Pius XII. das Marienfest Maria Königin für die katholische Kirche eingeführt. Der Marientitel Regina Martyrum gehört zu den Anrufungen der Gottesmutter in der Lauretanischen Litanei.

 

Die Kirche war als Gedenkkirche und gleichzeitig als Pfarrkirche für das umliegende Neubaugebiet Charlottenburg-Nord mit etwa 400 Sitzplätzen, Gemeindezentrum und Pfarrwohnung geplant. Bauherr war das Bischöfliche Ordinariat Berlin. 1958 wurden vier Architekten, Reinhard Hofbauer, Willy Kreuer, Hans Schädel zusammen mit Friedrich Ebert, und Rudolf Schwarz, zu einem Wettbewerb eingeladen, den der Würzburger Dombaumeister Hans Schädel für sich entschied. Zur Ausführung kam Schädels zweite Version. Er wurde zusammen mit Friedrich Ebert und dem Bischöflichen Baudirektor Hermann Jünemann mit dem Bau beauftragt. Künstlerisch und theologisch beraten wurden sie durch den Münsterschwarzacher Benediktiner P. Urban Rapp. Mit der Kirche wurde, unmittelbar westlich anschließend, das Gemeindezentrum gebaut.

 

Die Pfarrgemeinden wurden 1981 in der Region vom Erzbistum Berlin neu geordnet. Die Pfarrei Maria Regina Martyrum wurde mit der benachbarten Pfarrei St. Joseph in Siemensstadt zusammengelegt, die Kirche erhielt den Status einer Lokalie (seit 2007: Rektoratskirche) und wurde nach Gründung des Karmels Regina Martyrum dessen Klosterkirche. Für den Klosterbau wurden die mit der Kirche errichteten Gemeinderäume zum Teil abgerissen, zum Teil umgebaut. Die Fassade zum Heckerdamm mit vorgehängten Betonlamellen in der Gestaltung von Hans Schädel blieb erhalten.

 

Feierhof und Glockenturm

Einen der beiden Eingänge bildet der 25 Meter hohe markante Glockenturm aus rechtwinklig zueinander gestellten Sichtbetonplatten, die das Eingangstor und den zweigeschossigen Glockenstuhl mit fünf Glocken zwischen sich nehmen. Eine ursprünglich geplante 48 Meter hohe Turmnadel konnte aus Gründen der Flugsicherung für den Flughafen Tegel nicht gebaut werden. An der Außenseite der Mauer weisen zwei Schrifttafeln mit Texten von Papst Pius XII. und Julius Kardinal Döpfner auf die Bedeutung des Bauwerks hin. Das Areal gilt als herausragendes Beispiel einer gelungenen Einheit von Kirchenbau und Bauplastik. Die Gesamtanlage ist von einer strengen orthogonalen Formensprache bestimmt. Das Kirchengebäude steht in einem kopfsteingepflasterten, in niedrigen Stufen leicht abfallenden Feierhof, der von mit schwarz-grauen Basaltkieselplatten verkleideten übermannshohen Betonmauern eingefasst wird und an einen Appellplatz erinnert.

Der Feierhof, ursprünglich vorgesehen als Raum für größere gottesdienstliche Feiern im Freien mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Menschen, ist heute als leere, von der Stadt abgegrenzte Fläche ein Raum des Abstands und der Stille, den man durchschreiten muss, um zur Kirche zu gelangen – ein „brutalistischer Hortus conclusus“. Vor der rechten Mauer ist, beginnend am Turm, ein bronzener Kreuzweg mit 15 Stationen von Otto Herbert Hajek in stark abstrahierender, monumentaler Darstellung der Kreuzwegstationen aufgestellt. Die einzelnen Kreuzwegstationen sind zu Gruppen zusammengefasst, mit Ausnahme der jeweils einzeln stehenden 1. Station (Jesus wird zum Tod verurteilt), der 12. Station (Jesus stirbt am Kreuz) und der 15. Station (Auferstehung – Frauen am Grab), die in Abstand zu den übrigen Stationen in dem breiten Durchgang unter dem Kirchengebäude aufgestellt ist. Dort steht auch ein Freialtar, der ebenfalls von Otto Herbert Hajek geschaffen wurde und dessen bronzenes Antependium das Motiv der Dornenkronevariiert. Im hinteren Teil des Feierhofs befindet sich ein Bronzerelief Flucht nach Ägypten von Johannes Dumanski, das von Heimatvertriebenen gestiftet wurde.

 

Kirchengebäude

Der langgestreckte Baukörper der Oberkirche ruht ohne Sockel in einer Höhe von vier Metern nur auf drei quer gestellten Betonwänden, von denen zwei die Außenmauern der Unterkirche bilden, die dritte ist die an dieser Stelle verstärkte Umfassungsmauer des Feierhofs. Er scheint mit seiner leuchtend weißen, mit Marmorkieselplatten verkleideten Fassade wie ein „schwebender Körper“ (so Architekt Hans Schädel) in starkem Kontrast zum düsteren Feierhof; andere Deutungen sehen ihn als „Schrein“ zwischen Himmel und Erde oder als das Himmlische Jerusalem, das zur Erde niederkommt (Offb 21 EU). Vor der sonst ungegliederten rechteckigen Fassade hängt über dem Eingang die dreigliedrige Plastik Apokalyptische Frau von Fritz Koenig. Die fünf Meter hohe Skulptur aus vergoldeter Bronze setzt sich aus drei Bildmotiven entsprechend der biblischen Vision („ein Zeichen am Himmel“) in der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1-6 EU) zusammen: in der unteren Zone der siebenköpfige Drache, darüber die Frau, die gebären soll, auf der Mondsichel stehend, und die Strahlen der Sonne als Krone darüber. In der Gestalt erkennt die christliche Tradition die Gottesmutter, der die Gedenkkirche geweiht ist.

Das Innere der Kirche erreicht man von der verglasten Eingangshalle über eine breite Treppe zwischen den beiden Stützmauern. 1994 wurde auf der Rückseite zusätzlich ein Fahrstuhl angebaut.

Der rechteckige Kirchenraum ist geostet und dadurch zur Hinrichtungsstätte Plötzensee ausgerichtet. Die fensterlosen Sichtbetonwände tragen noch die Spuren der Verschalung als rechteckige, rhythmische Muster. Die tiefergelegte Decke aus lasierten Holzbrettern ruht auf sichtbar gelassenen Unterzügen und lässt durch unsichtbare Fensterbänder entlang der Seitenwände indirektes Licht in den Kirchenraum einfallen, zwei weitere, senkrechte Lichtbänder befinden sich rechts und links hinter dem Altarbild. Der Fußboden besteht aus hellem Granit.

Bestimmend für den Raum ist das monumentale Altargemälde Das himmlische Jerusalem von Georg Meistermann, das eine Vision aus der Offenbarung des Johannes darstellt und nahezu die gesamte Stirnwand einnimmt. Annähernd im Zentrum ist auf hellem Hintergrund das Lamm Gottes dargestellt, ein Symbol für den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus, dem nach der Aussage der Johannesapokalypse (Offb 5,6-7 EU) die Herrschaft im kommenden Reich Gottes übertragen ist. Weitere gegenständliche Elemente, die gemessen an den Gesamtproportionen des Werkes klein und filigran wirken, sind ein Auge Gottes links oberhalb des Lammes, auf das dieses ausgerichtet ist – Jesus Christus erfüllt mit seinem Kreuzestod den Willen Gottes –, und in der rechten Bildhälfte eine Sichel als Symbol für das Jüngste Gericht. Überwiegendes Gestaltungselement des Bildes sind helle und dunkle farbige Flächen, die ohne Perspektive spiralartig um die Figur des Lammes angelegt sind. Die Mitte mit dem Lamm ist von hellen gelben, grauen und weißen Flächen bestimmt. Nach außen hin treten vermehrt dunkle grüne, braune und schwarze, blockartige Flächen hinzu, die das Bild am unteren und oberen Rand gegen Boden und Decke abgrenzen. Sieben gelbe und rote Flammen streben aus der Mitte nach rechts unten in den dunklen Bereich und deuten auf die sieben Gaben des Heiligen Geistes hin. Die leitende Vorstellung des Künstlers war: „Was geschieht mit mir, wenn man mir mitteilt: Morgen früh um fünf wirst du gehenkt! Die Welt zerfällt, reißt auseinander wie stürzende Blöcke, zerfetzt in zerreißende Lappen. Und durch diesen Verfall, durch dieses Zerreißen erscheint die bleibende Verheißung in Symbolen wie Lamm, Auge, sieben Gaben des Hl. Geistes. So steht das Grauen gegen Helligkeit.“ Die Kirche hat keine Apsis, der Altarraum ist lediglich durch eine Stufe vom Kirchenraum abgehoben. Altar und Ambo sind streng kubisch aus hellem Treuchtlinger Marmor gestaltet, ebenfalls eine Stele, die eine frühgotische sitzende Madonna mit Kind trägt, entstanden in Südfrankreich um 1320.

Der Kirchenraum wird rückwärtig – über der Eingangstreppe – durch die auf dünnen Stelzen stehende Orgel- und Sängerempore mit dem klar gegliederten Orgelprospekt optisch abgeschlossen. Unter der Empore ist eine kleine Beichtkapelle mit einer Skulptur des Schmerzensmannes (Süddeutschland, zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts) angeordnet; seit Januar 2013 ist hier auch der flache goldene Tabernakel aufgestellt, der vorher auf dem Altar der Kirche gestanden hatte, so dass ein „bergender Raum“ für persönliches Gebet vor dem Allerheiligsten entstanden ist. Seitlich auf derselben Ebene befindet sich eine Taufkapelle mit einem zylindrischen Taufstein aus hellem Muschelkalk und einem Osterleuchter von Fritz Koenig.

In den Glaswänden des Eingangsbereichs sind in handschriftlicher Gestaltung seit Januar 2013 Zitate der NS-Märtyrer zu lesen. Hinter dem Treppenaufgang zur Oberkirche führen zwei Stufen hinab in die Krypta der Unterkirche. Die Seitenwände sind mit schwarzen Basaltkieselplatten verkleidet. Eine freistehende Betonwand teilt den Raum in zwei Segmente mit unterschiedlichen Funktionen.

An der Trennwand vorbei kommt man in die Kapelle für das Stundengebet und die Heilige Messe der Karmelitinnen, die 1984 ein Kloster an der Gedenkstätte errichteten. Die Unterkirche wurde dafür nach Norden erweitert. Der vordere Teil vor der auf dieser Seite in hellem Goldton gehaltenen Zwischenwand ist in grabartiger Gestaltung dem Gedenken an die Blutzeugen der Glaubens- und Gewissensfreiheit in den Jahren 1933 bis 1945 gewidmet. Vor der Trennwand steht eine Bronzeplastik von Fritz Koenig, die die Pietà darstellt: Maria, die ihren toten Sohn Jesus in den Armen hält. Unter einer Bodenplatte liegen drei Sarkophage. Der rechte enthält die Urne des 1934 auf Befehl des Leiters des Geheimen Staatspolizeiamtes Reinhard Heydrich erschossenen Erich Klausener. Die Urne wurde am 4. Mai 1963, dem Vorabend der Kirchweihe, an dieser Stelle beigesetzt; vorher ruhte sie auf dem St.-Matthias-Friedhof in Tempelhof. Ein weiterer, leerer Sarkophag sollte die sterblichen Überreste des 1943 auf dem Transport zum KZ Dachau in Hof gestorbenen Berliner Dompropstes Prälat Bernhard Lichtenberg aufnehmen, die am 16. November 1943 auf dem Alten Domfriedhof der St.-Hedwigs-Gemeinde in der Liesenstraße beerdigt worden waren. Die DDR-Behörden verweigerten jedoch die Überführung ins damalige West-Berlin. Die Gebeine Lichtenbergs wurden daraufhin 1965 in der Krypta der in Ost-Berlin gelegenen St. Hedwigs-Kathedrale beigesetzt. Der mittlere Sarkophag enthält eine Urkunde, die an alle Opfer des Nationalsozialismus aus Glaubens- und Gewissensgründen erinnert, deren Grab unbekannt ist, denen ein Grab verweigert und deren Asche verstreut wurde. Auf der mittleren Bodenplatte vor der Plastik wird die Widmung der Gedenkstätte ausgedrückt: „Allen Blutzeugen, denen das Grab verweigert wurde – allen Blutzeugen, deren Gräber unbekannt sind“. Auf der linken Platte sind Namen und Lebensdaten von Dompropst Bernhard Lichtenberg sowie – stellvertretend für alle in Plötzensee hingerichteten NS-Opfer – die des Protestanten Helmuth James Graf von Moltke und des mit ihm befreundeten Katholiken P. Alfred Delp SJ eingraviert, auf der rechten die des hier beigesetzten Erich Klausener.

Adresse:

Heckerdamm 230, 13627 Berlin-Charlottenburg Nord